Neuer Studiengang "Integrierte Gerontologie"

Universität Stuttgart nutzt die Belegschaftsanalyse der Seniorenliga

Bonn/Stuttgart 01.12.2009 Im kommenden Sommersemester 2010 bietet die Universität Stuttgart den neuen onlinegestützten Studiengang „Integrierte Gerontologie“ an. „Mit diesem Master-Studiengang reagieren wir auf die demographische Entwicklung unserer modernen Gesellschaft und die entsprechenden Auswirkungen auf deutsche Unternehmen“, erläutert Wolfgang Schlicht, Leiter des Studiengangs und Professor für Sportwissenschaften an der Universität Stuttgart. „Die Kernbotschaft der berufsbegleitenden Weiterbildung lautet: Der demographische Wandel als Chance - Das Altern gesellschaftlich und individuell gelingend gestalten!“, so Schlicht. In das Modul „Demografie" wird beispielhaft und praxisorientiert die Belegschaftsanalyse der Deutschen Seniorenliga (DSL e.V.) integriert.

Seit über einem Jahr bietet die DSL diese erste kostenlose Altersstrukturanalyse für Unternehmen an. Weit über 150 Unternehmen nutzen das Angebot und erachten es als sinnvolles Instrument, aktiv und zeitnah auf ihre erkennbare aber nur selten wirklich erkannte Personalstrukturentwicklung zu reagieren. „Die Trägheit des demographischen Wandels birgt zwar den Vorteil, dass Veränderungen lange vorhersehbar sind. Ihr Nachteile liegen jedoch darin, dass die Gesellschaft und insbesondere Unternehmen ihnen nur durch langfristig geplante und progressiv umgesetzte Maßnahmen begegnen können“, kommentiert  Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der DSL. Deshalb begrüßt die Seniorenliga das Angebot der Universität Stuttgart und appelliert an mittelständische Unternehmen, die vorhersehbaren Probleme frühzeitig anzugehen.

Die kostenlose Belegschaftsanalyse erstellt für jedes Unternehmen einen individuellen Bericht auf Basis der Belegschaftsdaten. Die Online-Analyse basiert auf dem von der weltgrößten amerikanischen Seniorenorganisation AARP entwickelten Workforce-Assessment-Tool und wurde als erste internationale Version in Kooperation mit der DSL erstellt. Neben Anzahl und Alter der Mitarbeiter werden u.a. Maßnahmen und Angebote des Unternehmens in den Bereichen Wissenstransfer und gesundheitliche und finanzielle Leistungen sowie Aspekte der Arbeitsplatzanpassung erfasst. Darüber hinaus werden auch flexible Arbeitszeitangebote und hieraus resultierende Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten beleuchtet. Die Daten der Unternehmen können gespeichert und bei Bedarf aktualisiert werden.

Nähere Informationen erhalten interessierte Unternehmen im Internet unter www.belegschaftsanalyse.de oder bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn.

 

 

Hintergrund

Studiengang "Integrierte Gerontologie"

"Alternde Belegschaften, sinkende Zahl an Nachwuchskräften und ein höheres Rentenantrittsalter stellen Unternehmen und Beschäftigte vor neue Herausforderungen", so Katrin Nachbar, Studiengangmanagerin an der Universität Stuttgart.

Gerontologie als Studienfach gibt es bereits. „Diese", merkt Katrin Nachbar an, „befassen sich überwiegend mit den körperlichen, psychischen und sozialen Aspekten des Alterns." Individuelle Unterschiede im Gesundheitszustand älterer Menschen weisen unterschiedliche Ansprüche an das Umfeld auf, weswegen in Master Online Integrierte Gerontologie auch die technischen Aspekte hinzukommen. An der Konzeption des Studiengangs sind deshalb neben Sozial-, Politik-, und Gesundheitswissenschaftlern, auch Ingenieure, Architekten und Technische Designer beteiligt. So wird das Altern aus allen Blickwinkeln beleuchtet. "Wir streben einen Dialog unter den Wissenschaftlern an. Sport- und Verhaltenswissenschaftler beispielsweise", so die Studiengangsmanagerin, "betonen den Wert der körperlichen Aktivität für ein "gelingendes Altern". Ein Ingenieur hingegen achtet auf die technische Optimierung und Erleichterung des Lebensalltags." Intelligente Technik unterstützt die selbständige Gestaltung des Alltags. Auch Stadtmanager gewinnen Kompetenzen, zukünftige Städte so zu konzipieren, dass sie "altersgerecht" sind. Mitarbeiter/-innen von Verkehrsbetrieben werden vorbereitet, auf die Bedarfe und Bedürfnisse der alternden Bevölkerung adäquat zu reagieren. Personalverantwortliche lernen, ältere Belegschaften angemessen zu führen und zu entwickeln und politisch Verantwortliche fundieren ihre Entscheidungen für das Gemeinwesen.

So breit wie der Studiengang angelegt ist, ist auch die relevante Zielgruppe. Diese reicht von Mitarbeitern in Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, sozialen Berufsverbänden über kommunale Spitzenverbänden, Industrie- und Handelskammern bis hin zu Krankenkassen, Parteien und der Dienstleistungsbranche. Dies ergab eine qualitative Marktstudie, die in Form von Gruppendiskussionen im Dezember 2008 durchgeführt wurde und in der Vertreter der oben genannten Berufszweige eingeladen wurden. Feststeht: Die Beratungsfunktionen der Zukunft werden durch den "Paradigmenwechsel" vielfältiger. "Unsere Absolventen", so die Studiengangsmanagerin, "werden in der Lage sein, mit Experten der einzelnen Fachrichtungen zu kommunizieren und sind deshalb für die Koordinations- und Vernetzungsaufgaben prädestiniert, gerade weil sie den Bedarf und die Bedürfnisse älterer Menschen kennen." Auch in der Politik können die Master Online Absolventen bei Beschlüssen, Gesetzgebungen usw. beratend fungieren. Es gilt unter anderem, neue Wohnformen zu finden, und "förderliche Lebenswelten" zu gestalten, die eine Begegnung zwischen den Generationen ermöglichen. Es gilt, und hier ist das Stadtteilmanagement gefragt, gemeinschaftliche und generationsübergreifende Wohnformen zu sichern.

Weitere Informationen zum Studiengang über Katrin Nachbar (katrin.nachbar@inspo.uni-stuttgart.de) oder Dr. Petra Koczy (Petra.Koczy@inspo.uni-stuttgart.de).